Webinar-Reihe von EUROSAC und CEPI Eurokraft

Mit Papiersäcken die Herausforderungen von heute und morgen nachhaltig bewältigen

Moderatorin Corinna Egerer mit Jori Ringman und Michael Sturges
© EUROSAC. Moderatorin Corinna Egerer mit Jori Ringman und Michael Sturges
03.12.2021
Quelle:  Firmennews

Unter dem Titel „Meeting today’s and tomorrow’s challenges sustainably with paper sacks“ (Mit Papiersäcken die Herausforderungen von heute und morgen nachhaltig bewältigen) luden EUROSAC, die europäische Vereinigung der Papiersackfabrikanten, und CEPI Eurokraft, der europäische Verband für Hersteller von Kraftsackpapier für die Papiersackindustrie sowie Kraftpapier für die Verpackungsindustrie, zu einer zweiteiligen Webinar-Reihe ein. Die Veranstaltung hatte zum Ziel, Hersteller von trockenen, pulverförmigen Schüttgütern dabei zu unterstützen, eine hochwertige, leistungsstarke Verpackung für ein erfolgreiches Wachstum innerhalb der von der EU angestrebten biobasierten Kreislaufwirtschaft zu finden.

In der Auftaktveranstaltung „The role of paper packaging in a circular bioeconomy“ (Die Rolle von Papierverpackungen in einer kreislauforientierten Bioökonomie) wurde die Bedeutung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und biobasierter Materialien wie Papier für die Schließung des Kreislaufs und die Reduzierung von Emissionen erörtert.

Von Grund auf nachhaltig: die europäische Papierindustrie

Jori Ringman, Director General bei CEPI, präsentierte einen Überblick über die Errungenschaften der europäischen Papierindustrie und erläuterte, wie diese andere Branchen beim Erreichen ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützen kann. „Nachhaltigkeit hat bei uns eine lange Tradition“, so Ringman. „Unser Erfolg beruht unter anderem darauf, dass wir sicherstellen, dass die Ressourcen auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben.“ Die europäische Papierindustrie bewegt sich in einem industriellen symbiotischen Ökosystem, in dem nichts verschwendet wird. Mit einer Recyclingquote von 73,9 % in 2020 steht sie weltweit an der Spitze. Außerdem kommt in der Branche der höchste Anteil an zertifizierten Materialien (75 %) zum Einsatz. Auch bei der nachhaltigen Beschaffung geht die Papierindustrie mit gutem Beispiel voran: 67 % der Fasern stammen aus der Kreislaufwirtschaft, 33 % aus der Waldbewirtschaftung, zum Beispiel aus der Durchforstung von Bäumen und aus Holzabfällen von Sägewerken. Ringman wies außerdem darauf hin, dass der Sektor im Vergleich zu anderen Branchen bei der Verringerung der CO2-Emissionen (–48 % seit 1990) und bei der Nutzung biobasierter Energie (62 %) besonders erfolgreich ist. In der Papierindustrie gilt das Grundprinzip, weniger zu nutzen als nachwächst. Daher können europäische Wälder um 612 Millionen m3 pro Jahr wachsen – ein Volumen, das groß genug wäre, um die gesamte Weltbevölkerung aufzunehmen. Als weiteren großen Vorteil von forstwirtschaftlichen Produkten hob Ringman das Potenzial zur Abschwächung des Klimawandels hervor – was auch anderen Branchen nutzen kann, um Klimaneutralität zu erreichen. Eine der größten Herausforderungen sieht er in den Maßnahmen rund um den Europäischen Grünen Deal: „Wenn wir dieses Thema nicht richtig angehen, werden wir Umweltbelastungen exportieren und Arbeitslosigkeit importieren. Wir investieren massiv in die Bioökonomie und legen die Messlatte immer höher, indem wir uns ehrgeizige Ziele setzen und den Grünen Deal unterstützen, damit er zum Erfolg wird.“

Papiersäcke – eine nachhaltige Verpackung

Michael Sturges, Research Consultant des schwedischen Forschungsinstituts RISE, stellte Zahlen und Fakten zur Nachhaltigkeit von Papiersäcken vor und konzentrierte sich dabei auf die wichtigsten Eigenschaften nachhaltiger Verpackungen, die in der Gesetzgebung genannt werden: biobasiert und erneuerbar, kohlenstoffarm und recycelbar. „Papiersäcke werden überwiegend aus Frischfasern hergestellt, die aus nachhaltig bewirtschafteten europäischen Wäldern stammen“, so Sturges. Ein durchschnittlicher europäischer Papiersack besteht zu mehr als 90 % aus biobasierten Materialien. Viele Lösungen sind sogar zu 100 % biobasiert. Außerdem ist die Herstellung von Kraftsackpapier sehr energieeffizient: 77 % des gesamten Energiebedarfs wird vor Ort erzeugt. 89 % des verwendeten Treibstoffs ist erneuerbar. Sturges betonte, dass die Branche in der Lage war, die CO2-Bilanz eines durchschnittlichen europäischen Papiersacks kontinuierlich zu reduzieren. „Von 2007 bis 2018 sank der CO2 Ausstoß um 28 %.“ Wenn man biogenes CO2 einbezieht, ist die Bilanz unter anderem aufgrund von nachhaltiger Forstwirtschaft sogar negativ. „Das heißt, es gibt einen positiven Einfluss auf das Klima und Papiersäcke können eine wichtige Rolle in einer kohlenstoffarmen Wirtschaft spielen“, so Sturges. Im Hinblick auf die Wiederverwertbarkeit erklärte er, dass die langen, frischen Kraftpapierfasern eine wertvolle Quelle für die Recyclingbranche sein können. Als Vorbild nannte er das deutsche Sammel- und Recyclingsystem Repasack.

Papiersäcke bieten perfekten Produktschutz

Die Umstellung auf nachhaltigere Verpackungslösungen ist allerdings nur ein Aspekt. Im zweiten Webinar „Paper sacks – sustainable packaging with high performance“ (Papiersäcke – leistungsstark und nachhaltig) ging es darum, wie Papiersäcke in Bezug auf Produktschutz, Funktionalität und Kosteneffizienz abschneiden. Catherine Plitzko-Kerninon, General Delegate bei EUROSAC, erläuterte, warum Papiersäcke einen wirksamen Produktschutz und eine hohe Materialeffizienz bieten. „In den letzten zwei Jahrzehnten wurde die Festigkeit von Kraftsackpapier um 45 % verbessert. Nur 100 g Papier – das entspricht dem Gewicht einer Tafel Schokolade – können 25 kg Füllgut halten.“ Diese Stärke führt zu einem hohen Produktschutz und niedrigen Beschädigungsraten. Eine Studie zeigte, dass weniger als 1–2 % der Papiersäcke vom Abfüll- bis zum Verkaufsort zu Schaden kommen. Die meisten Schäden lassen sich durch sachgemäße Handhabung vermeiden. EUROSAC und CEPI Eurokraft haben daher Empfehlungen zur Handhabung für die gesamte Wertschöpfungskette veröffentlicht. In einer weiteren Studie wurde die Haltbarkeit von Zement-Papiersäcken im Vergleich zu Zement-PE-Säcken unter typischen Lagerbedingungen über 18 Monate hinweg getestet. Die Qualität und die Eigenschaften des verpackten Zements entsprachen bei beiden Sacktypen den Anforderungen der Zementindustrie. Papiersäcke bieten zudem einen zuverlässigen Schutz vor Nässe und Feuchtigkeit. „Bei vielen Säcken werden noch immer herkömmliche Barriereschichten auf fossiler Basis verwendet, um Produkte beispielsweise gegen Feuchtigkeit zu schützen“, so Plitzko-Kerninon. „Wir wollen in Zukunft Papiersäcke aus 100 % natürlichen Materialien herstellen, die dieselben Funktionen bieten und gleichzeitig weiterhin recycelbar sind. Die jüngsten Innovationen in unserer Branche zeigen, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.“

Konformität bei Lebensmittelkontakt

Susanna Andersson, Project Manager bei Normpack, machte auf einen weiteren wichtigen Aspekt nachhaltiger Verpackungen aufmerksam: die Verbrauchersicherheit, insbesondere die Sicherheit von Materialien mit Lebensmittelkontakt. Dabei erläuterte sie die aktuellen Regelungen innerhalb der EU: „Die Gesetzgebung für Materialien mit Lebensmittelkontakt ist sehr komplex, zumal die Länder ihre eigenen Regeln festlegen können.“ Sie stellte den ESG-Leitfaden für Papiersäcke mit Lebensmittelkontakt vor. Das Dokument schlägt eine strukturierte Herangehensweise and die bestehenden Vorschriften vor und gibt konkrete Empfehlungen. „Die Gesetzgebung wird aktuell von der Europäischen Kommission überarbeitet“, so Andersson. „Wir hoffen, dass es in Zukunft materialspezifische Rechtsvorschriften für Papier, Karton und Pappe geben wird. Das würde die Einhaltung der Vorschriften für den Lebensmittelkontakt erheblich erleichtern.“

Effizienzsteigerung durch Papiersäcke

Thomas Hilling, General Manager beim Haver & Boecker Institut, thematisierte die Sicherheit und Effizienz von Papierventilsäcken bei der Befüllung und Handhabung. „Dank der Festigkeit und Porosität von Kraftsackpapier ermöglichen Papiersäcke eine saubere, wirtschaftliche und sehr schnelle Befüllung“, erklärte er. „Die automatische Sackaufsteckung ermöglicht eine Leistung von bis zu 6.000 Säcken pro Stunde bei einer Genauigkeit von 99,97 %.“ Eine gute Luftdurchlässigkeit spart Betriebskosten: Je durchlässiger das Kraftsackpapier ist, desto höher sind die Füllleistung und die Stabilität der Säcke auf der Palette. Mehr Sauberkeit wird laut Thomas Hilling durch eine Ventilsack-Verschließung mit Ultraschall erreicht. „In weniger als einer Sekunde werden die Säcke absolut dicht versiegelt.“ Er betonte auch die Bedeutung der richtigen Dimensionierung und nannte Beispiele für die Vorteile einwandfrei versiegelter und optimal gefüllter Säcke: eine höhere Gewichtsgenauigkeit, logistische Effizienz, sicheres Stapeln und Transportieren und ein ansprechendes Aussehen des Produkts. Weitere Informationen dazu finden sich in den Branchenrichtlinien für staubfreie Papiersäcke von EUROSAC und CEPI Eurokraft. Sein Fazit: „Dank hochwertiger Papierventilsäcke läuft der gesamte Verpackungsprozess effizienter ab.“

Das könnte Sie auch interessieren


 

Ausgewählte Topnews aus der Papierindustrie