Geldbriefträger: Geldtransport in der Post-Ära
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In der Zeit vor Onlinebanking und Geldautomaten waren Geldbriefträger unverzichtbare Akteure im Finanzsystem. Diese speziellen Postbeamten übernahmen die verantwortungsvolle Aufgabe, Bargeld sicher zu überbringen - ein Beruf, der sowohl mit hoher Verantwortung als auch mit beträchtlichen Risiken verbunden war.
Geschichte der Geldbriefe und ihrer Überbringer
Der Transport von Bargeld per Post begann in Deutschland bereits 1868, als in mehreren Orten die Zustellung von Geldbeträgen bis zu 50 Talern eingeführt wurde. 1872 erfolgte die einheitliche Regelung der Geldzustellung, wobei anfangs bis zu 500 Taler überbracht werden konnten. Im Laufe der Zeit wurden die Höchstbeträge kontinuierlich angepasst, besonders während der Inflationszeit.
Geldbriefträger, offiziell als "Geldboten" bezeichnet, waren ausschließlich männliche Bundespostbeamte. Sie übernahmen primär Rentenauszahlungen und die Überbringung von Postanweisungen in größeren Städten. Mit der Einführung des Postscheckdienstes 1909 begann jedoch der langsame Rückgang dieses Berufszweigs.
Risiken des Berufs
Der Beruf des Geldbriefträgers war mit erheblichen Gefahren verbunden. Das mitgeführte Bargeld machte sie zu einem attraktiven Ziel für Räuber. Bis 1934 verzeichneten die Akten des Reichspostministeriums bereits 92 Überfälle, darunter 15 Raubmorde. Besonders zwischen 1930 und 1933 nahmen die Angriffe drastisch zu.
Zum Selbstschutz trugen die Geldboten der Deutschen Bundespost bis 1987 Pistolen, obwohl diese selten zum Einsatz kamen. Die Postbeamten erhielten zusammen mit Polizisten regelmäßige Schulungen im Umgang mit den Waffen. Ab 1993 wurden die Handfeuerwaffen durch Mobiltelefone ersetzt.
Der Adlon-Mord: Ein spektakulärer Fall
Einer der bekanntesten Fälle in der Geschichte der Geldbriefträger ereignete sich am 2. Januar 1919 im luxuriösen Hotel Adlon in Berlin. Der Geldbriefträger Oskar Lange betrat das Hotel, um eine Nachnahmesendung für einen vermeintlichen Baron Winterfeldt zu überbringen. Lange war im Adlon bekannt und hatte bereits zuvor Sendungen an denselben Empfänger zugestellt, der ihm dafür Zigarren und Schinkenbrote spendiert hatte.
Der angebliche Baron war in Wirklichkeit Wilhelm Blume, ein Serienmörder, der es auf die Wertbriefe mit insgesamt 278.000 Mark abgesehen hatte. Blume erdrosselte Lange in seinem Hotelzimmer und flüchtete mit der Beute. Die Tat blieb zunächst unaufgeklärt, da Berlin zu dieser Zeit von bürgerkriegsähnlichen Zuständen erschüttert wurde.
Erst dreieinhalb Jahre später wurde Blume in Dresden gefasst, nachdem er dort einen weiteren Geldbriefträger überfallen hatte. Der legendäre Mordermittler Ernst Gennat identifizierte ihn als den Adlon-Mörder. Interessanterweise war Blume nicht nur ein kaltblütiger Mörder, sondern auch ein ambitionierter Dramatiker, der sogar ein Theaterstück über den Adlon-Mord verfasst hatte.
Das Ende einer Ära
Mit der zunehmenden Verbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs verlor die Bargeldauslieferung durch Geldbriefträger immer mehr an Bedeutung. Nach der Umwandlung der Deutschen Bundespost in die Deutsche Post AG im Januar 1995 wurden die letzten Geldboten in den Schalterdienst versetzt. Im April 2002 wurde die Postanweisung als Dienstleistung der Deutschen Post AG endgültig abgeschafft.
Der bekannteste Geldbriefträger Deutschlands war Walter Spahrbier, der durch seine Statistenrolle in den Fernsehsendungen "Drei mal Neun" und "Der Große Preis" nationale Bekanntheit erlangte.
Fazit: Geldbriefträger - ein gefährlicher Beruf wurde durch bargeldlosen Zahlungsverkehr überflüssig
Die Geschichte der Geldbriefträger spiegelt den Wandel unseres Finanzsystems wider. Was einst ein unverzichtbarer, wenn auch gefährlicher Beruf war, wurde durch technologische Entwicklungen und den bargeldlosen Zahlungsverkehr überflüssig. Die dramatischen Fälle wie der Adlon-Mord erinnern uns an die Risiken, die mit dem physischen Transport von Bargeld verbunden waren und verdeutlichen, warum digitale Transaktionen heute die sicherere Alternative darstellen.