Die Passauer Kunst: Aberglaube der Soldaten
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Die Passauer Kunst war ein weitverbreiteter Aberglaube unter Soldaten ab dem 17. Jahrhundert. Sie versprach Schutz vor Verletzungen durch Schüsse, Hiebe oder Stiche. Dieser Glaube ist im Wesentlichen identisch mit dem sogenannten „Festmachen“, einer älteren Tradition, die Soldaten unverwundbar machen sollte.
Was ist das „Festmachen“?
„Festmachen“ bedeutet, sich durch bestimmte Zauber oder Rituale unverwundbar zu machen – also „hieb- und stichfest“ zu werden. Die Passauer Kunst war eine Variante dieses Glaubens. Sie versprach, Soldaten im Kampf gegen jede Art von körperlicher Attacke zu schützen.
Wie entstand die Passauer Kunst?
Der Begriff „Passauer Kunst“ geht vermutlich auf den Passauer Scharfrichter Kaspar Neidhart zurück. Um 1611 soll Neidhart Zettel mit geheimnisvollen Zeichen an die kaiserlichen Soldaten von Matthias verkauft haben, die damals bei Passau lagerten. Neidhart, ein Scharlatan, versprach den Soldaten, diese Zettel würden sie vor Schuss, Hieb und Stich „festmachen“.
Um unverwundbar zu werden, mussten die Soldaten die Zettel entweder essen oder in einem kleinen Säckchen auf der Brust tragen. Die ältesten Überlieferungen dieses Brauchs stammen aus den Jahren 1615 und 1631.
Verbreitung und Bedeutung im Krieg
Die Passauer Kunst wurde berühmt, als Matthias' Truppen in den Kämpfen um Böhmen gegen seinen Bruder Rudolf II. kaum Verluste erlitten. Dies wurde dem Aberglauben zugeschrieben. In den folgenden Jahren des Dreißigjährigen Krieges verbreitete sich die Passauer Kunst rasch unter den Soldaten. Sie wurde zu einem festen Bestandteil der damaligen militärischen Kultur.
Gibt es diesen Brauch noch heute?
Nein, die Passauer Kunst ist heute nicht mehr verbreitet. Sie ist ein historisches Phänomen, das fest in der Zeit des 17. Jahrhunderts und des Dreißigjährigen Krieges verankert ist. Heute erinnert sie an die Ängste und Hoffnungen der Soldaten jener Epoche.