Wet Wipe Island: Londons Kampf gegen die Feuchttücher-Katastrophe in der Themse

Mitten in London entstand über Jahre ein bizarres Umweltproblem: die berüchtigte "Wet Wipe Island" nahe der Hammersmith-Brücke. Diese Insel aus Feuchttüchern wurde zu einem Symbol für Umweltverschmutzung und zeigt, welche Folgen falsche Müllentsorgung haben kann.

Wet Wipe Island wird abgetragen.
© Mit KI erstellt
06.07.2026

Was war Wet Wipe Island?

Wet Wipe Island war eine künstliche Insel aus Millionen von Feuchttüchern in der Themse. Die schwarze, faserige Masse erreichte die Größe zweier Tennisplätze und war stellenweise bis zu einem Meter hoch. Das bizarre Gebilde hatte sogar einen eigenen Google Maps-Eintrag als "kulturelles Wahrzeichen" erhalten - allerdings mit ironischen Bewertungen von Londonern.

Wie entstand die Feuchttücher-Insel?

Die Entstehung von Wet Wipe Island hat zwei Hauptursachen. Londoner entsorgten massenhaft Feuchttücher über die Toilette, statt sie in den Restmüll zu werfen. Zusätzlich führte Londons veraltetes Kanalisationssystem zu dem Problem: Regenwasser und Abwasser fließen durch dieselben Leitungen. Bei Starkregen überläuft die viktorianische Kanalisation und Thames Water leitet ungefiltertes Mischwasser direkt in die Themse - mitsamt den heruntergespülten Feuchttüchern.

Die Flussbiegung bei Hammersmith begünstigte die Ansammlung zusätzlich. Dort fließt das Wasser langsamer, wodurch sich die schweren Feuchttücher um Zweige und Pflanzen wickelten und zu Bergen auftürmten.

Warum wurde Wet Wipe Island geräumt?

Die London Port Authority startete im August 2025 eine großangelegte Räumungsaktion. Mit einem acht Tonnen schweren Bagger werden geschätzte 180 Tonnen Feuchttücher-Masse abgetragen - das entspricht dem Gewicht von 15 Doppeldeckerbussen.

Die Räumung war dringend nötig, weil die Insel den Flusslauf der Themse verändert hatte und die Umwelt massiv belastete. Mikroplastik aus den Tüchern bedrohte die Tier- und Pflanzenwelt. Umweltorganisation Thames 21 hatte das Problem seit 2017 dokumentiert und in mühsamer Handarbeit Tücher entfernt.

Konsequenzen und Zukunftsmaßnahmen

Das Wet Wipe Island-Desaster führte zu mehreren Konsequenzen. Die britische Regierung kündigte 2024 ein Verkaufsverbot für Feuchttücher mit Plastikanteil an, um Hersteller zu plastikfreien Alternativen zu bewegen. Der neue Thames Tideway Tunnel soll künftig 95 Prozent der Mischwasser-Überläufe verhindern.

Umweltaktivisten fordern bessere Abwasserinfrastruktur und Aufklärung der Bevölkerung. Thames Water investiert zusätzlich 1,8 Milliarden Pfund in die Verbesserung der Flussgesundheit.

Die spektakulären Aufräumarbeiten sorgten durch Ekelvideos in sozialen Medien für Aufmerksamkeit und sollten Londoner motivieren, Feuchttücher künftig korrekt zu entsorgen.