Eselsohren als Lesezeichen: Tradition mit umstrittenem Ruf

Wer kennt sie nicht: die umgeknickten Ecken in Büchern, die als Eselsohren bekannt sind? Diese improvisierte Form des Lesezeichens hat eine lange Geschichte und ruft gemischte Reaktionen hervor. Doch woher stammt eigentlich diese besondere Bezeichnung und warum greifen Menschen darauf zurück?

Buchseite mit Eselsohr
© Foto von Ksenia Makagonova auf Unsplash
12.01.2026

Woher kommt der Name "Eselsohr"?

Die Bezeichnung "Eselsohr" für umgeknickte Seitenecken hat einen doppelten Ursprung. Einerseits erinnert die Form des Knickes an ein Ohr, andererseits spielt der Begriff "Esel" als Schimpfwort auf die negative Bewertung dieser Praxis an. Bereits im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm wurde der Begriff als "folium libri complicatum, ein merkzeichen im gelesenen Buch durch einbiegen einer blattecke" beschrieben.

Zwischen Praktikabilität und Sachbeschädigung

Eselsohren werden unterschiedlich bewertet. Für viele Leser sind sie eine praktische Notlösung, wenn kein Lesezeichen zur Hand ist. Bibliotheken und Bücherliebhaber hingegen betrachten sie als Sachbeschädigung. In öffentlichen Bibliotheken kann das Einfügen eines Seitenknickes sogar zur Pflicht führen, ein Ersatzexemplar zu beschaffen oder den Sachwert zu erstatten.

Wer verwendet Eselsohren?

Eselsohren werden von verschiedenen Personengruppen verwendet:

  • Gelegenheitsleser ohne Lesezeichen zur Hand
  • Schüler und Studenten, die wichtige Passagen markieren möchten
  • Eilige Leser, die schnell zur letzten Seite zurückfinden wollen
  • Historisch wurden sogar Visitenkarten absichtlich geknickt, um sie leichter vom Silbertablett aufnehmen zu können

Warum Eselsohren statt Lesezeichen?

Die Gründe für die Verwendung von Eselsohren anstelle von richtigen Lesezeichen sind vielfältig:

  • Spontanität: Wenn kein Lesezeichen verfügbar ist
  • Dauerhaftigkeit: Eselsohren fallen nicht aus dem Buch heraus
  • Mehrfachmarkierung: Man kann verschiedene Seiten gleichzeitig markieren
  • Tradition: Für manche Leser gehört das Eselsohr einfach zum Leseerlebnis

Fazit: Eselsohren - Praktisch, aber umstritten

Eselsohren bleiben ein zweischneidiges Schwert der Lesekultur. Sie bieten eine schnelle, unkomplizierte Lösung zum Markieren wichtiger Stellen, werden jedoch von Bibliothekaren und Buchliebhabern oft kritisch gesehen. Die alte Redewendung "Es ist selten ein Buch ohne Eselsohr" deutet darauf hin, dass diese Praxis trotz aller Kritik wohl nie ganz verschwinden wird. Wer seine Bücher schonen möchte, sollte dennoch besser auf richtige Lesezeichen zurückgreifen.