Max Klante: Der Wettbetrüger der 1920er Jahre
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Max Klante zählt zu den berüchtigtsten Betrügern der deutschen Geschichte. Als selbsternannter "Volksbeglücker" erlangte er in den frühen 1920er Jahren traurige Berühmtheit durch ein gigantisches Schneeballsystem, das Hunderttausende Menschen um ihr Erspartes brachte.
Vom Bürstenmacher zum Wettkonzern-Gründer
Geboren am 25. Mai 1883 in Steinau an der Oder, begann Max Klante seine Karriere bescheiden als Bürstenmacher im Betrieb seines Onkels. Nach erfolglosen Versuchen mit einer eigenen Bürstenmacherei und einem Zeitungsvertrieb in Breslau arbeitete er als Fotograf und entdeckte schließlich seine Leidenschaft für Pferdewetten. Als "Tipster" an Rennbahnen entwickelte er ein gutes Gespür für erfolgreiche Wetten. 1919 zog er nach Berlin, wo er im Mai 1920 seinen Wettkonzern gründete. Im Dezember folgte die "Max Klante & Co. GmbH" mit einem Stammkapital von 500.000 Mark.
Das "unfehlbare System" und astronomische Renditen
Klantes Erfolgsrezept war ebenso einfach wie betrügerisch: Er behauptete, ein nahezu unfehlbares System für Pferdewetten entwickelt zu haben. In seiner Zeitschrift "Der Meldereiter" warb er mit unglaublichen Renditeversprechen: 600% Jahreszinsen für Einzahler, ohne jegliches Verlustrisiko.
Zur Rennsaison 1921 startete sein Konzern und konnte tatsächlich die erste hohe Dividende auszahlen. Klante erwarb ein modernes Bürohaus in der Frankfurter Straße in Berlin, vor dessen Schaltern sich bald Menschenschlangen bildeten. Der Konzern expandierte rasch in andere deutsche Städte. In Dresden gab es sogar eine Annahmestelle speziell für Polizeibeamte im Polizeipräsidium.
Der unvermeidliche Zusammenbruch
Der erste kritische Tag kam am 28. Mai 1921, als 20 Millionen Mark an Dividenden auszuzahlen waren, aber nur etwa 5,5 Millionen Mark zur Verfügung standen. Klante begann, neue Einzahlungen zu verwenden, um alte Schulden zu begleichen – das klassische Schneeballsystem nahm seinen Lauf.
Von Mai bis August 1921 standen Wettbeträgen von über fünf Millionen Mark Gewinne von nur drei Millionen gegenüber. Trotz Senkung der Zinsen um die Hälfte war der Zusammenbruch nicht mehr aufzuhalten. Am 12. September 1921 wurde Klante verhaftet, nachdem er sich zuvor in ein Sanatorium zurückgezogen hatte. Am selben Tag meldete er Konkurs an.
Prozess und Verurteilung
Der Prozess gegen Klante begann am 11. Dezember 1922 vor dem Landgericht Berlin. Die Anklage umfasste Betrug, gewerbsmäßiges Glücksspiel und Vergehen gegen die Konkursordnung. Das Urteil: drei Jahre Gefängnis und 105.000 Mark Strafe sowie fünf Jahre Ehrverlust. Auf allen Berliner Rennbahnen erhielt er lebenslanges Hausverbot.
Insgesamt hatten 260.000 Menschen Klante ihr Geld anvertraut. Der Gesamtschaden belief sich auf 90 Millionen Goldmark, was heute etwa 45 Millionen Euro entsprechen würde.
Das Ende eines Betrügers
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Klante wieder als Bürstenmacher mit einem kleinen Geschäft. Er starb am 7. Oktober 1950 in Ost-Berlin durch Suizid. Seine einzige Hinterlassenschaft soll ein Toto-Schein für ein Pferderennen gewesen sein – ein tragisch-ironisches Ende für den einstigen "Wettkönig".
Max Klante gilt bis heute als Paradebeispiel für kriminelle Emporkömmlinge der Zwischenkriegszeit, deren völlig unrealistische Versprechungen von einer verzweifelten Bevölkerung unkritisch aufgenommen wurden.